Okulare


Ein Okular ist generell der Teil eines optischen Systems, der dazu benutzt wird ein Bild zu erzeugen, das wir mit unseren Augen (lat.: oculus) wahrnehmen können. Ein Okular kann dabei aus einer oder auch aus mehreren Linsen bestehen.

Das Okular spielt bei der visuellen Beobachtung eine etntscheidende Rolle, denn die Wahl des Okulars entscheidet z.B. über die Vergrößerung oder den Himmelsausschnitt, der beobachtet werden kann.


Übersicht

Diese Seite ist in folgende Abschnitte gegliedert:


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Kennzahlen

Scheinbares Gesichtsfeld

Das scheinbare Gesichtsfeld ist eine konstruktive Eigenschaft des Okulars. Sie gibt den Öffnungswinkel an, den man sieht, wenn man nur durch das Okular (ohne Fernrohr) schaut. Der Öffnungswinkel variiert je nach Okulartyp. Bei höherwertigen Okularen ist der Öffnungswinkel in der Produktbeschreibung angegeben und häufig auch auf das Okular selber aufgedruckt. Das scheinbare Gesichtsfeld wird in Grad angegeben.

Hierbei gilt: Je größer das scheinbare Gesichtsfeld des Okulars ist, desto größer ist auch das tatsächliche Gesichtsfeld.

Tatsächliches Gesichtsfeld

Das tatsächliche Gesichtsfeld beschreibt den Himmelsausschnitt, den man mit einer bestimmten Kombination von Teleskop und Okular sehen kann. Das tatsächliche Gesichtsfeld wird, wie das scheinbare Gesichtsfeld, in Grad angegeben. Die Berechnung des tatsächlichen Gesichtsfelds ist auf der Seite Kennzahlen beschrieben.


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Steckmaß und Steckhülse

  Grafik,zwei Okulare mit unterschiedlichem Steckmaß im Größenvergleich zeigt
  Okuare mit Steckmaß 1¼ Zoll (links) und 2 Zoll (rechts)im Vergleich

Die Steckhülse ist der vordere Teil des Okulars, der in den Okularauszug gesteckt wird.
Der Außendurchmesser der Steckhülse wird als Steckmaß bezeichnet.

Die gängigsten Steckmaße sind 1¼ Zoll (31,8 mm) und 2 Zoll (50,8 mm). Daneben gibt es weitere Maße, die aber nicht sehr verbreitet sind, so dass es problematisch werden kann, wenn man zusätzliche Okulare anschaffen will. Deshalb sollte man beim Kauf eines Teleskops darauf achten, dass im Handel eine ausreichende Zahl an verschiedenen Okularen mit dem passenden Steckmaä angeboten wird.

Die Steckhülse hat auf der Außenseite eine glatte Oberfläche, um die Reibung beim Einstecken des Okulars in den Okularauszug möglichst gering zu halten oder sogar ein Verklemmen des Okulars im Okularauszug zu verhindern.

Die Innenseite der Steckhü,lse ist dagegen rau und im Idealfall mit einer matten, schwarzen Farbe versehen. Dadurch soll das bei der Beobachtung störende Streulicht minimiert werden. Am vorderen Ende der Innenseite der Steckhülse befindet sich in der Regel auch ein Filtergewinde, in das verschiedene Filter eingeschraubt werden können.


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Okularauszug

  Bild, dass den Okularauszung an einem Linsenteleskop zeigt
  Okuarauszung ohne Möglichkeit der Feineinstellung an einem Refraktor

Der Okularauszug ist dasjenige Bauteil am Teleskop an dem Okulare oder auch anderes Zubehör, wie z.B. ein Kameraadapter, befestigt werden. Der Markt bietet Okularauszüge unterschiedlichster Qualitäten und Preiskategorien. Grundsätzlich sollte man beim Kauf eines Teleskops auf einen möglichst stabilen Okularauszug achten, da Okulare mit einer hochwertigen Optik in der Regel auch ein relativ hohes Gewicht haben.

Am Okularauszug befindet sich ein Stellrad zum Fokussieren der Objekte. Einfache Okularauszüge weisen nur ein einziges Stellrad zum Fokussieren auf, höherwertige Okularauszüge haben drüber hinaus ein weiteres Rad für die Feineinstellung. Da mehr Details zu erkennen sind, je besser das Objekt fokussiert ist, ist ein Okularauszug mit einer zusätzlichen Feineinstellung nach Meinung der Verfasserin durchaus sinnvoll.

Der Okularauszug gibt außerdem das Steckmaß für die Okulare vor. In der Regel sind dies 1¼ Zoll (31,8 mm) oder 2 Zoll (50,8 mm). Bei Teleskopen mit einem 2 Zoll-Okularauszug wird in der Regel ein Adapter für das 1¼ Zoll-Steckmaß mitgeliefert, somit können Okulare mit beiden Steckmaßen verwendet werden. Umgekehrt ist es bei einem Okularauszug mit 1¼ Zoll Steckmaß nicht sinnvoll ein Okular mit 2 Zoll-Steckmaß zu verwenden, da durch Vignettierung (= Abschattung) durch den schmaleren Okularauszug nicht der gesamte Durchmesser des 2 Zoll Okulars genutzt werden kann.


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Okulartypen

Huygens-Okulare

  Grafik, die schematisch den Aufbau eines Huygens-Okulars zeigt
  Schematischer Aufbau eines Huygens-Okulars

Dieser Okulartyp wurde bereits im 17. Jahrhundert von Christian Huygens (niederländischer Astronom und Mathematiker, 1629 - 1695) entwickelt. Bei Huygens-Okularen handelt es ich um einen einfachen, zweilinsigen Okulartyp. Durch die Verwendung von zwei plankonkaven Linsen ist dieser Okulartyp zwar farbfehlerarm, aber nicht farbfehlerfrei.

Huygens-Okulare sind für die Sonnenbeobachtung mittels Okularprojektion geeignet, da sie keine verkitteten Linsen haben. Verkittete Linsen können durch Erwärmung während der Beobachtung der Sonne beschädigt werden.

Leider werden Huygens-Okulare nicht mehr gefertigt, d.h. sie sind nur noch gebraucht erhältlich. Zum Beispiel auf Astronomie-Flohmärkten oder über entsprechende Internetportale.

scheinbares Gesichtsfeld
ca. 30 - 40°

Vorteile
+ preiswert
+ für die Sonnenbeobachtung mittels Okularprojektion geeignet.

Nachteile
kleines scheinbares Gesichtsfeld
es werden keine achromatischen Linsenkombinationen eingesetzt werden, dadurch entstehen Farbsäume
Huygens-Okulare werden nicht mehr gebaut und sind nur noch gebraucht erhältlich


Kellner-Okular

  Grafik, die schematisch den Aufbau eines Kellner-Okulars zeigt
  Schematischer Aufbau eines Kellner-Okulars

Dieser Okulartyp wurde von Carl Kellner (1826 - 1855) entwickelt. Es handelt sich, wie beim Huygens-Okular, um ein zweilinsiges Okular. Als augenseitige Linse wird beim Kellner-Okular ein verkittetes Linsenpaar aus unterschiedlichen Glassorten (Achromat) zur Farbkorrektur eingesetzt. Der Farbsaum, der besonders bei hellen Objekten zu beobachten ist, wird dadurch, im Vergleich zum Huygens-Okular, deutlich reduziert.

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörten Kellner-Okulare zur Grundausstattung der (Hobby-)Astronomen, und auch heute findet man sie noch bei einigen Komplettangeboten.

scheinbares Gesichtsfeld
ca. 45°

Vorteile
+ preiswert
+ geringer Farbfehler

Nachteile
relativ kleines scheinbares Gesichtsfeld


Orthoskopische Okulare

  Grafik, die schematisch den Aufbau eines orthoskopischen Okulars zeigt
  Schematischer Aufbau eines orthoskopischen Okulars

Bei orthoskopischen Okularen handelt es sich um 4-linsige, achromatische Okulare. Sie haben sehr gute optische Eigenschaften und sind sehr gut für die Planetenbeobachtung geeignet. Auf Grund ihres kleinen scheinbaren Gesichtsfelds sind sie für großflächige Objekte nur bedingt geeignet, da in diesem Falle mit einer vergleichsweise geringen Vergrößerung gearbeitet werden muss, um das Objekt vollständig im Gesichtsfeld zu haben.

scheinbares Gesichtsfeld
ca. 35 - 45°

Vorteile
+ gute Abbildungseigenschaften
+ sehr gut für die Planetenbeobachtung und Doppelsternbeobachtung geeignet

Nachteile
kleines scheinbares Gesichtsfelds
für großflächige Objekte nur bedingt geeignet


Plössel-Okulare

  Grafik, die schematisch den Aufbau eines orthoskopischen Okulars zeigt
  Schematischer Aufbau eines Plössel-Okulars

Dieser Okulartyp wurde von Simon Plössel (Österreichischer Optiker, 1794 - 1868) erfunden. Plössel-Okulare bestehen aus zwei verkitteten Linsenpaaren aus unterschiedlichen Glassorten (Achromat), wodurch der Farbfehler fast vollständig korrigiert wird. Bei Brennweiten unter 10 mm haben sie jedoch ein weniger gutes Einblickverhalten, da der Beobachter sehr nahe mit dem Auge an das Okular heran muss.

Plössel-Okulare mit einer hochwertigen Vergütung oder einer zusätzlichen Linse sind als Super-Plössel-Okulare erhältlich. Letztere werden auch als eudiaskopische Okulare bezeichnet und sind mit den Erfle-Okularen vergleichbar. Beim Kauf eines Super-Ploessel-Okulars ist allerdings Vorsicht geboten, denn nicht überall wo &bdqo;Super&rdqo; drauf steht ist auch Super- drin.

scheinbares Gesichtsfeld
Plössel-Okulare: ca. 45° Super-Plössel-Okulare: ca. 52°

Vorteile
+ relativ preiswert
+ kaum Farfehler
+ sehr gute Abbildungseigenschaften

Nachteile
relativ kleines scheinbares Gesichtsfeld
schwieriges Einblickverhalten bei Brennweiten unter 10 mm


Erfle-Okulare

  Grafik, die schematisch den Aufbau eines Erfle-Okulars zeigt
  Schematischer Aufbau eines Erfle-Okulars

Dieser Okulartyp wurde von Heinrich Erfle (deutscher Optiker, 1884 - 1923) erfunden. Erfle-Okulare bestehen aus zwei verkitteten Linsenpaaren aus unterschiedlichen Glassorten (Achromat) zwischen denen sich eine weitere Sammellinse befindet.

Mit ihrem scheinbaren Gesichtsfeld von bis zu 68° sind Erfle-Okulare die ersten echten Weitwinkel-Okulare. Am Rand neigen Erfle-Okulare oft zu Abbildungsfehlern, die sich besonders bei hellen Objekten (z.B. Mond oder Planeten) störend bemerkbar machen. Sehr gut geeignet sind sie dagegen für lichtschwache, ausgedehnte Objekte wie z.B. offene Sternhaufen oder Reflexionsnebel. Bei Brennweiten unter 20 mm wird allerdings das Einblickverhalten zunehmend schlechter.

scheinbares Gesichtsfeld
bis zu 70°

Vorteile
+ moderater Preis
+ großes scheinbares Gesichtsfeld
+ sehr gut geeignet für lichtschwache, ausgedehnte Objekte

Nachteile
Abbildungsfehler in den Randzonen
weniger geeignet für helle Objekte
schwieriges Einblickverhalten bei Brennweite unter 20 mm


Nagler-Okular

  Grafik, die schematisch den Aufbau eines Nagler-Okulars zeigt
  Schematischer Aufbau eines Nagler-Okulars

Nagler-Okulare bestehen aus mindestens sechs Linsen in drei verkitteten Zweiergruppen. Bei Nagler Okularen mit hoher Abbildungsqualität kommen noch eine oder sogar zwei zusätzliche Linsen dazu.

Nagler-Okulare werden als Weitwinkel-Okulare mit einem scheinbaren Gesichtsfeld von mehr als 80° gebaut.

scheinbares Gesichtsfeld
größer 80°

Vorteile
+ sehr großes scheinbares Geschichtsfeld
+ sehr gute Abbildungseigenschaften

Nachteile
hoher Preis


Weitwinkel-Okulare

Von einem Weitwinkel-Okular spricht man, wenn ein Okular ein scheinbares Gesichtsfeld von mehr als 60° hat. Bei Weitwinkel-Okularen handelt es sich in der Regel um Erfle-Okulare oder Nagler-Okulare. Bei Weitwinkel-Okularen handelt es sich also nicht um einen Okular-Typen im engeren Sinne, sondern um eine Guppe von Okularen mit einer speziellen Eigenschaft.

Untergruppen
Bei den Weitwinkel-Okularen wird, insbesondere bei Verkaufsangeboten, eine weitere, detailliertere Einteilung vorgenommen:

SWA steht für „Super Wide Angle” (dt.: Super Weitwinkel).
Diese Okulare haben ein scheinbares Gesichtsfeld von 60° bis 70°

UWA steht für „Ultra Wide Angle” (dt.: Ultra-Weitwinkel).
Diese Okulare haben ein scheinbares Gesichtsfeld von 70° bis 100°.
Zu den Ultra-Weitwinkel-Okularen gehören zum Beispiel die Nagler-Okulare mit acht Linsenelementen.

XWA steht für „Extreme Wide Angle” (dt.: Extrem-Weitwinkel).
Diese Okulare haben ein scheinbares Gesichtsfeld von mindestens 100°


Zoom-Okulare

Bei Zoom-Okularen können durch einen Drehmechanismus im Okular die Abstände der einzelnen Linsen gegeneinander verschoben werden und man erreicht so verschiedene Brennweiten. Dabei sind die Zoom-Okulare so gebaut, dass das Wechseln der Brennweite auch noch mit dünnen Fingerhandschuhen möglich ist.

Zoom-Okulare können in immer besserer Qualität hergestellt werden und moderne, hochwertige Zoom-Okulare stehen Okularen mit fester Brennweite in der Abbildungsqualität kaum noch nach. In der Praxis würde sich der Unterschied nur noch unter optimalen Beobachtungsbedingungen, d.h. keien Luftunruhe und keine Lichverschmutzung, bemerkbar machen.

Der zunächst sehr hoch erscheinende Preis relativiert sich, wenn man den Preis des Zoom-Okulars mit der Summe der Preise für die entsprechenden Anzahl von Okularen mit fester Brennweite vergleicht.

Vorteile
+ es können mehrere Brennweiten mit einem Okular abgedeckt werden
+ das Wechseln des Okulars zum Ändern der Vergrößerung entfällt

Nachteile
hoher Preis
relativ kleines scheinbares Gesichtsfeld


Fadenkreuz-Okulare

Fadenkreuz-Okulare haben, wie der Name besagt, ein Fadenkreuz, dass die den Mittelpunkt des Gesichtsfeld anzeigt. Es gibt diese Spezial-Okulare sowohl mit als auch ohne Beleuchtung des Fadenkreuzes.

Fadenkreuz-Okulare können für verschiedene Zwecke eingesetzt werden. Zum Beispiel im Sucher des Teleskops, beim Nachführen in der Astrofotografie oder beim Justieren der Montierung.


Messokulare

Messokulare haben zusätzlich zu Okular-Linsen eine Platte mit einer geätzten Skala. Mit Hilfe dieser Skala ist es möglich zum Beispiel Sternabstände zu messen, die Montierung sehr exakt zu justieren oder das Teleskop bei lange belichteten Aufahmen sehr exakt nachzuführen.


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Erstellt am 29. Dezember 2024 von  Martina Haupt