Wenn wir im täglichen Leben den Begriff „Tag” oder „ein Tag” benutzen, dann machen wir uns wenig Gedanke darüber, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. In dem Moment, in dem wir das kleine Wort mit nur drei Buchstaben aussprechen oder schreiben wird auch sehr schnell aus dem Kontext heraus klar, in welcher Bedeutung das Wort „Tag” verwendet wurde. Aber ist es wirklich so einfach? Im folgenden werden, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, verschiedene Aspekte des Tages betrachtet:
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Wenn wir im täglichen Leben den Begriff „Tag” oder „ein Tag” benutzen, dann machen wir uns wenig Gedanke darüber, was sich hinter diesem Begriff verbirgt. In der Regel wird auch sehr schnell aus dem Kontext heraus klar, in welcher Bedeutung das Wort „Tag” verwendet wurde.
Tatsächlich ist es aber nicht immer so eindeutig. Um eindeutig formulieren zu können in welcher Bedeutung das Wort „Tag” eingesetzt wird, gibt es verschiedene zusammengesetzte Wörter oder es werden dem Tag Adjektive vorangestellt, die verdeutlichen wie das Wort „Tag” zu verstehen ist.
Im folgenden werden, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, verschiedene Aspekte des Tages betrachtet:
Der lichte Tag ist der Zeitabschnitt zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Diese Definition bezieht sich auf den Tagbogen der Sonne und spiegelt den scheinbaren Lauf der Sonne wieder.
Wenn die Sonne, auf der Nordhalbkugel der Erde, genau im Süden steht und gleichzeitig ihren höchsten Stand am jeweiligen Tag erreicht hat, dann ist es Mittag und der lichte Tag kann so in zwei Hälften geteilt werden.
Schon früh lernen die Menschen den lichten Tag mit Hilfe von Sonnenuhren in Stunden zu teilen. Häufig umfasste der lichte Tag zwölf Stunden.
Ein voller Tag oder Volltag umfasst die Summe aus einem Tag und einer Nacht. Um die Länge eines vollen Tages zu bestimmen wird die Zeit zwischen zwei vergleichbaren Sonnenständen bestimmt.
Der volle Tag kann also als die Zeit zwischen zwei Sonnenaufgängen oder zwischen zwei Sonnenuntergängen gemessen werden. Da die Auf- und Untergangszeiten der Sonne – abhängig von der geographischen Breite – über das Jahr variieren, verändert sich auch die Länge des vollen Tages.
Einen Bezugspunkt, der weniger großen Schwankungen unterworfen ist und der, wie auch dies Sonnenaufgänge und Untergänge, mit einfachen Mitteln zu bestimmen ist, ist die obere Kulmination der Sonne, also der höchste Stand der Sonne in ihrem Tageslauf, denn zu diesem Zeitpunkt steht die Sonne – auf der Nordhalbkugel der Erde – genau im Süden. Diese Definition des vollen Tages wird wahrer Sonnentag genannt.
Ein wahrer Sonnentag ist die Zeitdauer zwischen zwei Meridiandurchgängen der Sonne vergeht. Es wird also – auf der Nordhalbkugel der Erde – die Zeitspanne gemessen, die vergeht bis die Sonne an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auf ihrer scheinbaren Bahn genau im Süden steht.
Der genaue Zeitpunkt der Meridiandurchgänge ist vom Längengrad des Beobachters abhängig, da die Erde im Laufe eines Tages eine vollständige Umdrehung um ihre eigene Achse vollzieht. Daher müssen die Messungen der Meridiandurchgänge immer am gleichen Standort erfolgen.
Früher gehörte es zu den Aufgaben der Sternwarten die Meridiandurchgänge zu messen und den genauen Zeitpunkt des Mittags zu bestimmen. Die Sonne stand zu diesem Zeitpunkt genau im Süden und es war 12:00 Uhr mittags. Basierend auf diesem, von den Sternwarten bestimmten Zeitpunkt für den Mittag, konnten dann die Uhren gestellt werden. Wegen der vergleichsweise großen Gangungenauigkeit der ersten mechanischen Uhren war es notwendig diese regelmäßig nach einem Zeitnormal zu stellen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es dann ausreichend genaue Präzisionsuhren, so dass die Bestimmung des Mittags nicht mehr zwingend durch wetterabhängige, astronomische Beobachtungen durchgeführt werden musste.
Die Zeitspanne zwischen zwei aufeinanderfolgenden Meridiandurchgängen, d.h. die Länge eines wahren Sonnentags, ist äber das Jahr nicht konstant. Grund ist zum einen die Tatsache, dass die Erdbahn leicht elliptisch ist und die Bahngeschwindigkeit der Erde, dem zweiten Keplerschen Gesetz folgend, in Erdnähe größer ist als in Erdferne. Zum anderen ist die Erdachse um 23,5° gegen die Erdbahnebene geneigt. Letzteres fährt dazu, dass das Bahnstäck der täglichen Sonnenwanderung entlang der Ekliptik auf dem Himmeläquator unterschiedlich groß ist.
Die Einfährung des mittleren Sonnentags wurde mit dem Siegeszug der mechanischen Uhren notwendig, da mechanische Uhren konstruktionsbedingt einen gleichförmigen Lauf zeigen. Um ein gleichförmiges Zeitmaß zu erhalten rechnet man mit einer fiktiven, mittleren Sonne, mit gleichförmigem Rektazensions-Zuwachs und gleichbleibender Geschwindigkeit.
Der mittlere Sonnentag wird auch als bürgerlicher Tag bezeichnet. Die Länge des mittleren Sonnentages bzw. des bürgerlichen Tags entspricht der Länge eines Volltags bzw. vollen Tages.
Ein siderischer Tag ist die Zeitspanne zwischen zwei aufeinanderfolgenden Kulminationen (Zeitpunkt der höchsten täglichen Position auf der scheinbaren Kreisbahn am Himmel) eines fiktiven, unendlich weit entfernten Fixsterns ohne Eigenbewegung. Ein siderischer Tag entspricht damit also jeweils der Dauer einer vollen Umdrehung eines Himmelskörpers um sich selbst gegenöber dem Fixsternhintergrund des Sternenhimmels.
Der mittlere siderische Tag der Erde dauert derzeit etwa 23 Stunden 56 Minuten und 4,0989 Sekunden (≈ 23,93 h). Die Länge der siderischen Tage auf der Erde ist auf lange Sicht nicht konstant, denn sie nimmt, da sich die Umdrehung der Erde verlangsamt, tendenziell zu.
Auf der Erde ist der siderische Tag um knapp 4 Minuten kürzer als der mittlere Sonnentag. Diese Differenz ergibt sich daraus, dass sich die Erde nicht nur um die eigene Achse dreht, sondern gleichzeitig auch, in gleichen Drehrichtung, auf ihrer Umlaufbahn um die Sonne bewegt. In einem Tag bewegt sich die Erde um rund 1/365 ihres Bahnbogens um die Sonne weiter. Damit die Sonne wieder im Süden steht muss die Erde also eine volle Umdrehung plus 1/365-stel Umdrehung, (das sind rund 0,985°) vollführen. Damit ein unendlich weit entfernter Stern wieder im Süden steht reicht eine einzige vollständige Umdrehung aus, denn im Vergleich zur Entfernung des Sterns ist der Durchmesser der Erdbahn vernachlässigbar klein.
Ein Kalendertag ist definitionsgemäß eine Kombination aus Tageszahl und Monat, aber ohne Angabe eines Jahres, wie zum Beispiel der 21. Juni oder der 6. Dezember.
In dem heute fast auf der ganzen Welt verwendeten gregorianischen Kalender umfasst ein Tag die Zeitspanne von einer Mitternacht bis zur nächsten Mitternacht.
Die ISO 8601 definiert einen (Kalender-)Tag wie folgt: Eine Zeitspanne von 24 Stunden, die um 00:00 Uhr beginnt und um 24:00 Uhr endet. 24:00 Uhr fällt mit dem Beginn des nächsten Tages zusammen
Ein subjektiver Tag gilt als die Zeitspanne vom Aufstehen bis zum Schlafengehen und kann dabei auch Teile der Nacht einschließen. Der subjektive Tag ist also eine für jeden Menschen individuelle Zeitspanne und wird durch persönliche Veranlagung (Nachteulen, Frühaufsteher …), durch äußere Umstände wie Arbeitszeiten (Schichtarbeit, Nachtarbeit …) oder Hobbys (Astronomie, Gartenarbeit …) beeinflusst.
Der soziale Tag wird durch gesellschaftliche Normen bestimmt und kann kulturell sehr unterschiedlich gestaltet sein. Das kann beispielsweise den Arbeitsbeginn und damit den Zeitpunkt des morgendlichen Aufstehens betreffen (z.B. Nine-to-five-Job) oder, wie in einigen wärmeren Ländern, eine längere Mittagsruhe und längere abendliche Aktivitätsphasen einschließen.
Bis zur Reform im Jahr 1925 begannen die Astronomen ihren Tag mittags. Der Grund hierfür war, dass astronomische Beobachtungen – abgesehen von Sonnenbeobachtungen – nachts durchgeführt werden. Ein Wechsel des Datums zu Mitternacht kann deshalb dazu führen, dass sich eine Bobachtung über zwei Kalendertage erstreckt. Zum 1. Januar 1925 erfolgte dann die Umstellung vom astronomischen Tag auf den bürgerlichen Tag, der um Mitternacht beginnt.
Da in den fast allen Ländern der Welt der gregorianische Kalender genutzt wir, ist es für die meisten Menschen selbstverständlich, dass ein neuer Tag jeweils um Mitternacht beginnt. Es ist aber nicht zwingend notwendig, dass ein neuer Tag um Mitternacht beginnnt; es wäre genauso gut möglich einen neuen Tag am Mittag zu Sonnenuntergang oder zu Sonnenaufgang beginnen zu lassen.
Der Beginn eines neuen Tages um Mitternacht wurde auf der Meridiankonferenz 1884 festgelegt; davor gab es regionale und uneinheitliche Regelungen.
Bis zum 1. Januar 1925 begannen die Astronomen ihren Tag mittags um einen Datumswechsel bei nächtlichen Beobachtungen zu vermeiden. Mit einer Reform aus dem Jahre 1925 wurde der astronomische Tag abgeschafft und es wurde auf den bürgerlichen Tag umgestellt, der um Mitternacht beginnt.
Sowohl im jüdischen und islamischen Kalender beginnt der neue Tag mit dem Sonnenuntergang. Da es sich bei beiden Kalendern um Mondkalender handelt ist der Beginn des neuen Tages bei Sonnenuntergang insofern Sinnvoll, als das in den Mondkalendern der neue Monat mit der Beobachtung des Neulichts (die erste, schmale nach Neumond sichtbare Mondsichel) am Abend beginnt.
Der Tag begann zum Beispiel im alten Ägypten mit dem Sonnenaufgang. Auch der Tag im Sinne einer gelebten Zeitspanne, also der subjektive Tag und der soziale Tag, beginnen für die meisten Menschen mit dem Sonnenaufgang bzw. dem Erwachen am Morgen.
Aktualisiert am
14.05.2026, 12:43 UTC
Von: Martina Haupt
Kontakt: martina.haupt[ät]amateursternwarte.de