Mit dem Begriff „ein Jahr” verbinden die meisten Menschen mit Sicherheit ein Kalenderjahr bzw. ein bürgerliches Jahr, also den Zeitrum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember. Leider ist es mit dem Jahr nicht ganz so einfacht, denn es gibt –- je nach Herangehensweis – unterschiedliche Definitionen was ein Jahr ist bzw. wie dessen Länge bestimmt wird. Diese Seite gibt einen Überblick über verschiedene Aspekte und Begriffe rund um das Jahr.
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Das Mondjahr basiert ausschließlich auf dem Lauf des Mondes. In einem Mondkalender werden zwölf Mond-Monate zu einem Mondjahr oder Lunarjahr zusammengefasst. Dieses Mondjahr ist um rund 11 Tage kürzer als ein Sonnenjahr und als Folge wandern die Monate rückläufig durch die Jahreszeiten. Hierin besteht auch das Problem der Mondkalender
Viele Mond-Kalender teilten das Jahr in jeweils 6 Monate mit je 30 Tagen und 6 Monate mit je 29 Tagen ein. Das heißt es wird, sechsmal aufgerundet und sechsmal abgerundet, denn die Länge eines Mond-Monats (synodischer Monat oder Lunation) beträgt 29,53 Tage. Bei den meisten Mondkalendern ist der Mond-Monat der Zeitraum von einem Neulicht, also der ersten Sichtbarkeit der schmalen Mondsichel nach Neumond bis zum nächsten Neulicht.
In einem Lunisolarjahr wird versucht die Länge eines Kalenderjahres an die Länge eines Sonnenjahres anzupassen, wobei die Länge der Monate, wie bei einem Mondjahr, der Länge eines synodischen Monats entspricht. Um diese Anpassung zu erreichen müssen in den Lunisolarkalendern immer wieder Schaltmonate und Schalttage eingefügt werden. Das kann willkürlich, nach den Anweisungen der Obrigkeit, oder auch nach festen, teilweise recht komplizierten, Regeln erfolgen.
Ein Sonnenjahr ist die Zeitspanne, den die Erde für einen vollständigen Umlauf um die Sonne benötigt. Das Sonnenjahr wird ausschließlich vom (scheinbaren) Lauf der Sonne bzw. der Abfolge der Jahreszeiten bestimmt und ist völlig unabhängig von der Phasengestalt des Mondes.
Die Länge eines Sonnenjahrs kann auf unterschiedliche Weise bestimmt werden:
Die Länge des tropischen Jahres wird auf die Jahreszeiten bezogen. Vereinfacht ausgedrückt ist ein tropisches Jahr der Zeitraum zwischen zwei gleichen Zeitpunkten im Jahreslauf der Sonne, also zum Beispiel zwei Frühlings-Tagundnachtgleichen oder zwei Sommersonnenwenden. Sowohl die Tagundnachtgleichen als auch die Sonnenwenden konnten bereits sehr früh in der Geschichte der Menschheit bestimmt werden. Beispielsweise mit Jungsteinzeitlichen Kreisgrabenanlagen wie sie in Goseck in Sachsen-Anhalt zu finden sind.
Das tropische Jahr dient als Grundlage für die Kalenderrechnung. Durch die Anwendung arithmetischer bestimmter Schaltregeln wird die Länge und Abfolge von Gemeinjahren und Schaltjahren so angepasst, dass alle Jahre nur ganze Tage beinhalten.
Für das tropische Jahr gibt es zwei Definitionen:
Die erste, ältere Definition besagt, dass ein tropisches Jahr der Zeitraum zwischen zwei Durchgängen der Sonne durch den Frühlingspunkt ist. Diese Definition ist sehr anschaulich und die Länge des tropischen Jahres ist mit einfachen Mitteln zu bestimmen. Das Problem dieser Definition ist, dass die Länge des tropischen Jahrs durch gravitative Einflüsse der anderen Planeten und des Erdmondes von Jahr zu Jahr um einige Minuten schwankt. Um eine mittlere Jahreslänge zu bestimmen müssen die Beobachtungsergebnisse mehrerer Jahre gemittelt werden. Da der Zeitraum über den gemittelt wird immer eine willkürliche Auswahl ist, wird man mit dieser Methode kein eindeutiges, reproduzierbares Ergebnis erhalten. Für die allermeisten, alltäglichen Belange ist diese Abweichung allerdings unbedeutend.
Die zweite, neuere Definition ist sehr abstrakt, dafür ist der Zahlenwert, den man für die Länge des tropischen Jahrs erhält aber sehr genau definiert und präzise bestimmbar. Diese Definition bezieht sich auf die momentane Geschwindigkeit, mit der sich die mittlere ekliptikale Länge der Sonne in Bezug auf den mittleren Frühlingspunkt ändert.
Die Länge des siderischen Jahres oder Sternjahres wird auf die Fixsterne bezogen. Ein siderisches Jahr ist die Zeitspanne innerhalb der die Sonne, von der Erde aus gesehen, die gleiche Stellung im Bezug zu einen fiktiven, unendlich weit entfernten Stern, der keinerlei Eigenbewegung hat, einnimmt. Von der Sonne aus betrachtet würde es so aussehen, als ob die Erde wieder die gleiche Position relativ zum Fixstern-Hintergrund einnimmt.
Das Siderische Jahr entspricht der Zeit eines vollständigen Umlaufs der Erde um die Sonne, bezogen auf ein Fundamentalsystem. Ein Fundamentalsystem ist ein Koordinatenrahmen mit genauen Positionen von Sternen und außergalaktischen Objekten bzw. Quasaren.
Das siderische Jahr wird für die Vorhersage der Bahnbewegungen und der Position von Planeten benötigt.
Das anomalistische Jahr entspricht der mittleren Bahnperiode der Erde. Ein anomalistisches Jahr ist die Zeitspanne zwischen zwei Durchgängen der Erde durch das Perihel, also dem sonnennächsten Punkt ihrer Umlaufbahn.
Durch die beiden Tatsachen, dass erstens die Erdbahn leicht elliptisch ist und dass, zum Zweiten, sich das Perihel durch denn Einfluss der Gravitation der anderen Planeten, in rund 112000 Jahren einen Umlauf um die Erdbahnebene vollführt – den sogenannten Zyklus der Periheldrehung – ist ein anomalistisches Jahr um rund 4 Minuten und 40 Sekunden länger als ein siderisches Jahr.
Das anomalistische Jahr wird für hauptsächlich für himmelsmechanische Berechnungen, also astronomische Bahnberechnungen benötigt. Beispielsweise für die Berechnung der Perihel- und Apheldurchgänge oder die Berechnung von Planetenpositionen.
Das Bürgerliche Jahr entspricht dem Kalenderjahr und umfasst den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. Dezember, unabhängig davon ob es sich um ein Gemeinjahr oder ein Schaltjahr handelt.
Da ein Kalenderjahr nur ganzzahlige Tage zählt, aber sowohl die Länge eines tropisches Jahres als auch die Länge eines Mondjahres nicht ganzzahlig sind, müssen diese Differenzen durch Schaltjahre ausgeglichen werden.
Ein Gemeinjahr bezeichnet ein Jahr mit der, nach den Regeln des betreffenden Kalenders, normalerweise vorkommenden Anzahl von Tagen. In dem gregorianischen Kalender, der heutzutage weltweit in Handel, Verkehr und Wissenschaft genutzt wird, umfasst ein Gemeinjahr 365 Tage.
Die Bezeichnung Gemeinjahr stammt aus dem 18. bis 20. Jahrhundert, denn damals wurde das Wort „gemein” im Sinne des heute gebräuchlichen „normal” verwendet.
Ein Schaltjahr bezeichnet ein Jahr in dem, im Unterschied zum Gemeinjahr, ein zusätzlicher Tag oder Monat eingefügt wird um die Länge des Kalenderjahres an die Länge eines Sonnenjahres oder Mondjahres anzupassen. Ein Schaltjahr ist damit länger als ein Gemeinjahr.
Selbst in einem ungebundenen Mondkalender sind Schalttage nötig, denn ein Kalenderjahr mit 12 Mondmonaten in einem Mondkalender ist um rund ⅓ Tag kürzer als 12 synodische Monate. Damit der erste eines Monats immer auf das Neulicht fällt, ist es notwendig Schalttage einzufügen.
Da ein Mondjahr um 11 Tage kürzer ist als ein Sonnenjahr müssen in einem Lunisolarkalender ganze Monate eingeschaltet werden um diese Differenz auszugleichen.
Auch in unserem modernen, gregorianischen sind Schaltjahre nötig. Ein tropisches Jahr ist nämlich nur rund 365,25 Tage lang; die genaue Länge beträgt 365,24219 Tage. Die Differenz mag auf den ersten Blick klein erscheinen, summiert sich aber im Laufe der Zeit auf einen vollen Tag. Deshalb wurde die Schaltregel aus dem Julianischen Kalender, dass jedes vierte Jahr ein Schaltjahr sein soll, im Gregorianischen Kalender angepasst. Ein Schaltjahr im gregorianischen Kalender umfasst 366 Tage.
Erstellt am
14.03.2026, 09:18 UTC
Von: Martina Haupt
Kontakt: martina.haupt[ät]amateursternwarte.de