Ein Mondjahr ist um 11 Tage kürzer als ein Sonnenjahr. Dadurch wandern die Monate bei reinen Mondkalendern rückläufig durch die Jahreszeiten. Abhilfe schaffen Lunisolarkalender, denn durch Einfügen von Schaltmonaten und Schalttagen eine Synchronisation mit dem Sonnenjahr (tropisches Jahr) erreicht.
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Ein Lunisolarkalender oder gebundener Mondkalender ist primär ein Mondkalender, durch Einfügen von Schaltmonaten und Schalttagen wird aber, im Gegensatz zum reinen Mondkalender, eine Synchronisation mit dem Sonnenjahr (tropisches Jahr) erreicht.
Lunisolarkalender werden auch als gebundene gebundene bezeichnet, da die Länge der Monate durch die Mondphasen definiert ist, die Länge eines Jahres aber durch Schaltregeln an die Länge eines Sonnenjahres gebunden ist.
Auch die Osterregel zur Brechung des christlichen Osterfestes folgt nach lunisolarer Logik, denn sie legt fest, dass das Osterfest am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond gefeiert wird. Der Frühlingsanfang wurde hierbei auf den 21. März festgelegt.
Ein Mondjahr ist um 11 Tage kürzer als ein Sonnenjahr. Dadurch wandern die Monate bei reinen Mondkalendern rückläufig durch die Jahreszeiten und hier liegt auch das Hauptproblem der Mondkalender. Da bei einem Lunisolarkalender die Länge des Jahres an die Länge eines Sonnenjahres angepasst wird dieses Problem umgangen. Das heißt der Januar ist, auf der Nordhalbkugel der Erde, immer im Winter und der Juli immer im Sommer.
Die Synchronisation der Monate mit den hat für die Landwirtschaft große Vorteile, denn beispielsweise Aussaat, Pflanzung und Ernte erfolgen planbar immer in den gleichen Monaten.
Bei einem Lunisolarkalender ist der Beginn eines Monats immer noch an die Mondphase gebunden, das heißt ein neuer Monat beginnt beispielsweise immer mit dem Neulicht. Es ist also einfach und durch visuelle Beobachtung mit dem bloßen Auge festzustellen wann ein neuer Monat beginnt.
In einem Lunisolarkalender ist auch die Terminierung von Festen und Ritualen, die an bestimmte Mondphasen gebunden sind relativ einfach. Durch die Synchronisation mit dem Sonnenjahr wandern diese auch nicht mehr durch die Jahreszeiten. Ein Beispiel hierfür ist die Bestimmung des Zeitpunktes des Osterfestes.
Die Babylonier fanden heraus, dass 235 Mond-Monate fast genauso lang sind wie 19 Sonnenjahre. Wenn also an einem Jahr am 1. Januar Vollmond ist, dann ist nach 19 Jahren wieder am 1. Januar Vollmond. Sie führten deshalb einen 19-jährigen Zyklus mit 12 Jahren zu je zwölf Mond-Monaten plus sieben Jahren mit je 13 Mond-Monaten ein.
Diesen kombinierten Zyklus übernahm der Athener Meton im 5. Jahrhundert v. Chr. für die Griechen, seitdem spricht man vom Meton-Zyklus.
Der Methon-Zyklus umfasst also eine Periode von 19 Sonnenjahren bzw. 235 Mond-Monaten, denn 19 Sonnenjahre und 235 Mond-Monate sind etwa gleich lang:
1 tropisches Jahr* (Sonnenjahr) = 365,24219 Tage
1 synodischer Monat** (Lunation/Mondperiode) = 29,50359 Tage
19 Sonnenjahre = 365,24219 Tage × 19 = 6939,60161 Tage
235 synodische Monate = 29,53059 Tage × 235 = 6939,68865 Tage
Differenz: 6939,68865 Tage − 6939,60161 Tage = 0,08704 Tage = 2,08896 Stunden = 2h 5m 20s
Nach 19 Jahren wiederholt sich also die gleiche Mondphase am Jahresbeginn. Wenn also am 1. Tag des ersten Jahres Vollmond war, dann ist also 19 Jahre später am 1. Tag des Jahres ebenfalls Vollmond.
Aber 235 synodische Monate sind gegenüber 19 Sonnenjahren um 0,08704 Tage zu lang. Das führt dazu, dass es erst nach rund 218 Jahren, also nach rund 11 Meton-Zyklen, zu einem Tag Abweichung kommt. Trotzdem ist der Methon-Zyklus gut zum Aufstellen von Lunisolarkalendern geeignet.
* Ein tropisches Jahr ist die Zeitspanne, die die Erde für einen Umlauf um die Sonne benötigt. Sie kann bestimmt werden indem die Zeit zwischen einer Frühlings-Tagundnachtgleichen zur nächsten oder von einer Sommersonnenwende zur nächsten gemessen wird.
** Ein synodischer Monat ist die Zeit, die vergeht bis der Mond wieder die gleiche Phase zeigt. Zum Beispiel von Vollmond zu Vollmond oder von Neulicht zu Neulicht. Ein synodischer Monat wird auch als Lunation oder Mondperiode bezeichnet.
Bis auf wenige Ausnahmen wird heute weltweit der gregorianische Sonnenkalender genutzt. Lunisolarkalender werden, wie die Mondkalender, nur noch für die Bestimmung der Termine freligiöser Feste verwendet. Ein Beispiel hierfür ist der jüdische Lunisolarkalender, der sich am Meton-Zyklus orientiert.
Auch der chinesische Kalender wird immer noch für die Berechnung der Termine traditioneller chinesischer Feiertage verwendet. Dem chinesischen Kalender liegt ein eigenes Regelwerk zugrunde, das heißt er orientiert sich nicht am Meton-Zyklus.
Das Osterfest, bei dem die Auferstehung Jesu Christi von den Toten gefeiert wird, ist das älteste und wichtigste Fest im christlichen Kirchenjahr. Nach der Überlieferung aus dem neuen Testament ereignete sich die Auferstehung Christi zur Zeit des Jüdischen Pessachfests. Der genaue Termin ist allerdings unbekannt.
Da das Osterfest nicht an wechselnden Wochentagen stattfinden sollte wurde auf dem Konzil von Nicäa im Jahre 325 n. Chr. folgende Regel festgelegt: Das Osterdatum ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling.
Sowohl beim Frühlingsbeginn als auch beim Vollmond-Tag wird bei der Bestimmung des Osterdatums nicht mit den exakten, astronomischen Zeitpunkten gerechnet.
Als Frühligabeginn wurde generell der 21. März festgelegt. Es wird also nicht der exakte astronomische Frühlingsbeginn, der dem Äquinoktium, also der Tag- und Nachtgleiche, entspricht verwendet. Die (astronomische) Tag- und Nachtgleiche kann im Zeitraum vom 19. bis 21. März stattfinden.
Als Zeitpunkt des Vollmondes wird auch nicht der astronomische korrekte Tag, also der Tag an dem die Erde genau zwischen Mond der Sonne steht, verwendet. Stattdessen rechnet man mit den Vollmond-Tagen aus dem Meton-Zyklus, einem System aus der griechischen Antike, dass aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. stammt.
Aus dem Meton-Zyklus ergibt sich der 21. März als der frühestmögliche Vollmondtag. Sollte er auf einen Samstag fallen, dann findet der Ostersonntag am 22. März statt. Das war zuletzt ihm Jahr 1818 der Fall und wird erst im Jahr 2285 wieder passieren.
Letzter möglicher Vollmondtag aus dem Meton-Zyklus ist der 19. April und damit ergibt sich der 25. April als spätester möglicher Termin für den Ostersonntag. Das war zuletzt ihm Jahr 1943 der Fall und wird im Jahr 2038 wieder so sein.
Ostern kann also zwischen dem 22. März und dem 19. April liegen. Nach dem Datum des Osterfestes berechnen sich, nebenbei bemerkt, auch fast alle anderen beweglichen Feiertage des christlichen Kirchenjahrs.
Erstellt am
08.02.2026, 10:30 UTC
Von: Martina Haupt
Kontakt: martina.haupt[ät]amateursternwarte.de